Sonntag, 1. Dezember 2013

AUCH SENIORENBEIRAT FORDERT DIE EHRENAMTSKARTE FÜR DÜSSELDORF




Bereits 188 Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen haben sie seit 2008 eingeführt: Die Ehrenamtskarte. In NRW engagieren sich über 5 Millionen Ehrenamtliche (23 Mio in Deutschland). Tausende Menschen in NRW kommen bereits in ihren Genuss, aber in Düsseldorf gibt es sie bisher nicht. Das soll sich ändern: Der Seniorenbeirat hat in seiner öffentlichen Sitzung am 29.11.2013 dafür gestimmt, dass auch die Stadt Düsseldorf die Ehrenamtskarte einführt. Der Rat der Stadt Düsseldorf muss diesem Antrag noch zustimmen.

Die Initiative für den Antrag ging von der Seniorenbeirätin Dr. Heidrun Hoppe aus. Unterstützung erhielt sie vonseiten der SPD, Bündnis 90/Die Grünen und nicht zuletzt von den FREIEN WÄHLERN. Der Vertreter der FREIEN WÄHLER, Peter Ries, beschäftigt sich seit längerer Zeit mit der Einführung der Ehrenamtskarte für Düsseldorf und hat seinerseits mehrere Kampagnen und eine Online-Petition im Internet gestartet. Auch einen Internet-Blog: (http://ehrenamtskarte.blogspot.de) hat er eingerichtet, um über die Ehrenamtskarte und das Ehrenamt im allgemeinen zu informieren. Nach Abschluss der Petition sollte diese im Rahmen eines Ratsantrages an den Oberbürgermeister übergeben werden.

CDU: Verwaltungsaufwand zu hoch 

Einzelne kritische Stimmen, insbesondere seitens der CDU, betonen den Verwaltungsaufwand, der mit der Einführung der Karte einherginge. Überdies gebe es Vergünstigungen wie z.B. die Familienkarte und den Düsselpass. 

Peter Ries wies darauf hin, dass sogar Kommunen mit Nothaushalten die Ehrenamtskarte bereits eingeführt haben. „Dazu müssen die Voraussetzungen für die Einführung der Ehrenamtskarte geschaffen werden. Zum einen drückt sich der politische Wille in Form eines Ratsbeschlusses aus, zum anderen muss die Verwaltung bereit sein, die erforderlichen Arbeiten zu leisten. Es ist aber auch möglich, dass die Trägerorganisationen sich um die Verteilung der Ehrenamtskarten kümmern, um die Verwaltungskosten zu begrenzen. Es geht hier nicht um einen Düsselpass oder die Familienkarte". Darum forderte Ries dazu auf, sich nur mit der Ehrenamtskarte auseinanderzusetzen, die habe nichts mit sozialen Notwendigkeiten zutun, sondern mit der Würdigung und Anerkennung bürgerschaftlichem Engagement in der "Sozialen Stadt Düsseldorf. Bereits 188 Kommunen scheuen diesen Aufwand nicht, da die Ehrenamtskarte auch ein öffentlichkeitswirksam- und imageförderndes Projekt darstellt“. Der Antrag passierte den Seniorenbeirat mit großer Mehrheit und mit deutlicher Zustimmung der anwesenden Bürger.

Info:

Die Ehrenamtskarte wird in NRW von den Kommunen ausgegeben, um damit das ehrenamtliche gesellschaftliche Engagement zu würdigen und zu fördern. Menschen, die im Schnitt mindestens fünf Stunden wöchentlich oder 250 Stunden im Jahr ehrenamtlich tätig sind, können die Karte erhalten. Die damit verbundenen Vergünstigungen variieren: Manche Kommunen ermöglichen reduzierte Gebühren für den Eintritt in Ausstellungen, Museen, Theater, Schwimmbad und Sportveranstaltungen. In vielen Gemeinden engagieren sich auch Unternehmen, das Ehrenamt zu fördern. So lädt ein Café in Gütersloh Ehrenamtler einmal monatlich zu einem kostenlosen Frühstück ein, viele Firmen geben Rabatte usw., und sehen hier wahrscheinlich durchaus eine Möglichkeit für ihr Unternehmen, ihr Image positiv zu gestalten.

In Deutschland sind gerade im höheren Lebensalter viele Menschen ehrenamtlich aktiv, bei den 65- bis 85-Jährigen sind es lt. einer Altersstudie von 2013 45 Prozent mit etwa vier Stunden wöchentlich. Die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, ist zwischen 1999 und 2009 erheblich angestiegen. Die Übernahme eines Ehrenamtes ist nicht nur von persönlichen Motiven abhängig, sondern auch davon, ob  entsprechende Gelegenheiten geboten werden und diesbezügliche Erwartungen existieren. Ein wichtiges Motiv der Ehrenamtler im Seniorenalter ist darin zu sehen, dass sie sich auch nach der beruflich aktiven Phase im Bereich der Öffentlichkeit bewegen und nützlich machen möchten. Sie wollen als Teil der Gesellschaft wirken, ihre Erfahrungen weitergeben und im Austausch mit anderen Menschen stehen. Die Floskel vom 'wohlverdienten Ruhestand' ist in die Jahre gekommen, heute wird eher vom 'Unruhestand' gesprochen. Es mag sein, dass die Generation der 'Neuen Alten' hier auch ein besonderes Selbstverständnis mitbringt ('silver worker', Konzepte des aktiven Alterns).

Auch in Düsseldorf sind insbesondere viele Seniorinnen und Senioren ehrenamtlich tätig, z. B. im Sport, in der Alten- und Behindertenbetreuung, in Schulen, Kindergärten usw. Sie leisten wertvolle gesellschaftliche Arbeit und würden sich freuen, wenn ihr Engagement mit mehr als netten Dankesworten und punktuellen Veranstaltungen angenommen und anerkannt würde. Wahrscheinlich würden mehr Menschen die Theater und Museen besuchen, wenn sie mit ihrer Ehrenamtskarte eine geringere Gebühr zu entrichten hätten. Wäre das für die Stadt wirklich von finanziellem Nachteil? Und sollten Unternehmen in Düsseldorf nicht auch dafür zu gewinnen sein, sich an der Förderung des Ehrenamts beteiligen zu können?

In der Verbindung des 'Für sich etwas tun' und des 'Für andere etwas tun' liegt wohl der Kern des ehrenamtlichen Engagements. Die Ehrenamtler sind bereit, sich einzubringen; die Stadt sollte sich  ihrerseits über die vorhandenen Projekte hinaus engagieren und die Einführung der Ehrenamtskarte für Düsseldorf beschließen.

Gerade im Zuge des demographischen Wandels wird das Ehrenamt immer wichtiger, für die Seniorinnen und Senioren selbst, aber auch für die Gesellschaft. Deshalb fordert auch der Seniorenbeirat der Stadt Düsseldorf den Rat der Landeshauptstadt auf, die Ehrenamtskarte NRW schnellstmöglich einzuführen.

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