Freitag, 11. Oktober 2013

Wir leben heute in einer alternden Welt

F.Kückemanns mit OB Elbers Bild: Stadt Düüseldorf
Der Seniorenbeirat der Landeshauptstadt Düsseldorf feierte im Plenarsaal des Rathauses sein 35-jähriges Jubiläum.
Eröffnet wurde die Feierstunde von Oberbürgermeister Dirk Elbers mit einem Grußwort. „Der Düsseldorfer Seniorenbeirat hat für vergleichbare Großstädte in Deutschland die Vorreiterrolle eingenommen und in den 35 Jahren sehr viel bewegt", sagte der OB und nannte dabei zum Beispiel die nicht unerhebliche Mitarbeit bei der Einrichtung der „zentren plus“, des Pflegebüros und des Demenz-Servicezentrums sowie den Kulturherbst, der 2013 zum 15. Mal veranstaltet wird. "Diese erfolgreiche Arbeit ist aber ohne das ehrenamtliche Engagement der Seniorenbeiratsmitglieder kaum möglich gewesen“, so das Stadtoberhaupt.

Auch Friedhelm Kückemanns, Vorsitzender des Seniorenbeirates, und Gabi Schnell, Vorsitzende der Landesseniorenvertretung, verknüpften ihre Grußworte mit einem Dank an alle, die den Seniorenbeirat bei seiner Arbeit unterstützt haben, und hoben dabei die Arbeit der sieben bisher tätigen Vorsitzenden des Seniorenbeirates und die stets gute Zusammenarbeit mit Verwaltung und Politik hervor.

„Der Seniorenbeirat ist seit 1978 herausgefordert, die Lebensqualität unserer älteren Stadtbevölkerung zu fördern und bei der Gestaltung der Lebenszeit zu unterstützen. Das tun wir durch kritische Begleitung der offiziellen Stadtpolitik, repräsentiert durch Rat und Verwaltung durch Eingaben und Anträge und die Mitarbeit in den einschlägigen Ausschüssen im Austausch der anderen Interessengruppen unserer Bürgerschaft. Es ist anfangs nicht leicht gewesen, weil viele neue Betätigungsfelder erst ausgelotet werden mussten. Aber alle haben sich in die Arbeit hineingekniet, um der vielschichtigen Aufgabenstellungen gerecht zu werden.

„Den Blick nach vorne richten“

Vieles hat der Seniorenbeirat hart erkämpfen müssen, darunter befinden sich Verbesserungen, die heute als selbstverständlich betrachtet werden. Jedoch ohne die gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung und den politischen Gremien wäre dies nicht möglich gewesen. Unsere Aufgabe ist es, uns um die Interessen der mehr als 145.000 älteren Mitbürger und nachkommenden Generationen zu kümmern. Darum wollen wir nach vorn blicken und dafür arbeiten“, sagte Kückemanns.
Professorin Dr. Dres. h.c. Ursula Lehr

"Seniorenbeiräte und ihre Aufgaben in einer Gesellschaft des langen Lebens"

Professorin Dr. Ursula Lehr (83), Bundesministerin a. D. und Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO), hielt einen kurzweiligen und sehr interessanten Festvortrag mit dem Titel „Seniorenbeiräte und ihre Aufgaben in einer Gesellschaft des langen Lebens“.

„Wir leben heute in einer alternden Welt, wo immer mehr Menschen ein höheres Lebensalter erreichen, aber gleichzeitig leider immer weniger Kinder geboren werden. Das Geburtenniveau ist etwa seit 40 Jahren zu niedrig, um den Anteil verstorbener Per­sonen ersetzen zu können. Die Zunahme der Lebenserwartung führt zur weiteren Erhöhung des Anteils Älterer an der Bevölkerung. Während 2008 etwa 4 Mio. Menschen in Deutschland 80 Jahre oder älter waren, wird ihre Zahl in den kommenden Jahren konti­nuierlich steigen. Nach einem Höchststand von 10 Mio. Menschen 2050 wird sie nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2060 auf dann 9 Mio. absinken. Ein Grund mehr, alles dafür zu tun, damit man möglichst gesund und kompetent das hohe Alter erreicht“, verdeutlichte die die honorige Professorin mit einem die Rede begleitenden Lichtbildvortrag und folgenden Anekdoten:

„Früher sagte man, zu seinem Kind, wenn es nicht gehorchte: 'Wenn du nicht artig bist, gehst du in dein Zimme'. Sie habe bei einem Besuch, wo die Mutter 103 und der Sohn 80 Jahre alt war, gehört, wie die Mutter zu ihrem Sohn sagte: „Wenn du nicht auf mich hörst, kommst du ins Altenheim“. Eine andere 93-jährige Mutter beklagte sich, dass die 61-jährige Tochter zu viele Männerbekanntschaften habe. Sie rief das Jugendamt zur Hilfe. Dieses war aber aus verständlichen Gründen nicht zuständig. Die Polizei musste den Streit dann schlichten".

Mit anhaltendem Applaus schloss die 83-jährige sympathische Professorin ihren Vortrag und wünschte dem Seniorenbeirat weiterhin gutes Gelingen für seine überaus wichtige Arbeit.

Durch das Programm führten die stellv. Vorsitzenden des Seniorenbeirates, Ulrike Schneider und Heidrun Hoppe. Schneider bedankte sich bei ihrer Begrüßungsrede u.a. bei Oberbürgermeister Dirk Elbers für stets tolle Unterstützung des Seniorenbeirates. Weiterer Dank ging an die ehemaligen Mitglieder und Vorsitzenden des Seniorenbeirates, die den Seniorenbeirat zu dem gemacht hätten, was er heute ist.

Anwesend waren auch die ehem. Vorsitzenden: Heinz Hörsteiner, Klara-Elisabeth Sader und Hans Vonderhagen. Gründungsmitglied Scharlotte Zimmer konnte wegen Krankheit nicht am Festakt teilnehmen.

Klassig mit Querflöte

Den musikalischen Rahmen gestalteten Studierende der Robert-Schumann-Hochschule. Ingo Koch, Katharina-Maria Mücke, Marie-Luise Kerkau und Nathan Lange begeisterten die Festgäste mit Stücken von Friedrich Kulau.

Info:

Im März 2014 werden je zwei gleichberechtigte Mitglieder in den zehn Stadtbezirken für den Seniorenbeirat gewählt. Aufstellen lassen können sich weibliche und männliche Kandidaten, die das 58. Lebensjahr vollendet haben. Sie können nur dort kandidieren, wo seit mindestens drei Monaten vor der Wahl ihr Hauptwohnsitz ist.

Der Seniorenbeirat setzt sich seit 1978 aktiv für die Interessen der steigenden Zahl älterer Menschen in Düsseldorf ein und weist politische Gremien, Verwaltung und andere Institutionen auf spezifische Probleme und Wünsche der Seniorinnen und Senioren hin. Die Mitglieder des Seniorenbeirates sind ehrenamtlich tätig. Sie arbeiten überparteilich und überkonfessionell. Sie sind an keine Weisungen gebunden.

Wünsche, Anliegen, Vorschläge und Kritik sind für die Arbeit des Seniorenbeirates sehr wichtig. Deshalb: Machen Sie mit und sagen Sie „wo der Schuh drückt“.

Zur Präsentation mit freundlicher Unterstützung von Professorin Dr. Dres. h.c. Ursula Lehr.Pdf

Zur Person:

Ursula Lehr, geb. Leipold, (* 5. Juni 1930 in Frankfurt am Main) ist eine führende Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der Erforschung und Gestaltung des Alterns und war zeitweise eine deutsche Politikerin (CDU) und Bundesministerin. Die Psychologin gründete 1986 in Heidelberg im Auftrag der Landesregierung von Baden-Württemberg das Institut für Gerontologie. Von 1991 bis 1994 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages, von 2004 bis 2008 Präsidentin der Vereinigung der ehemaligen Mitglieder des Deutschen Bundestages und des Europäischen Parlaments. Von 1988 bis Anfang 1991 war Lehr Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit. Heute lebt sie in Bonn-Bad Godesberg. Dort engagiert sie sich u.a. im Kuratorium der Bürgerstiftung Rheinviertel. Seit 2009 ist sie Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO).

Keine Kommentare: